Da schafft man sich einen Rassehund/oder speziellen Hundetypus an und wundert sich, dass der Hund so gar nicht dem „Standard“ entspricht.
Der Malteser jagt (jaaaa, das kommt vor), der Golden Retriever beißt, dafür der Catahoula nicht 😉, der Jagdterrier wiederum interessiert sich nicht im geringsten für Wild, dafür hütet der Ridgeback und der Hovawart wacht nicht.
Verdrehte Welt? Es gibt nichts, was es nicht gibt – das ist klar.

Alles, was man beim Profi gelernt hat, in Büchern oder Zeitschriften (ja, selbst ich schreibe für eine Hundezeitschrift seit Jahren monatlich einen „Rassesteckbrief“. Und glaubt mir, dass ist für mich die Quadratur des Kreises) gelesen hat, ist hinfällig.

Wieso ist das nur so, bzw. kann das vorkommen?
Das lässt sich leicht erklären: weil auch Hunde Individuen sind. Jeder für sich. Und meist ist es so, dass die Hunderassen natürlich, weil ewig züchterisch selektiert, sich auch häufig so verhalten, wie es in den Rassebeschreibungen steht.
Es ist eben nur kein Garant.

Für uns sind Hunde erst einmal „Silhouetten“ und beim ersten Kennenlernen, schauen wir, ob der Labrador sich wie ein Labrador im Buche verhält, oder eher wie ein Großpudel (wie er im Standard beschrieben ist).

Unser Quembo ist so ein Fall:
Er trägt zwar eine Labrador-„Klamotte“, verhält sich aber fast gar nicht so.
Will to please – kann man im Keller suchen gehen
Wasserfreude – der Blick übers Meer reicht
Gefräßig – nö, muss nich
Menschenbezogenheit – joooo, wenn er genau diesen gut findet, muss aber auch nicht. Geht ohne.
Apportierfreude – mmmh. „Wennde ihn wegwirfst, kannstn auch selber wieder holen“
Temperament – eine Kollegin hielt ihn vor zwei Jahren, fünfjährig, für uralt 😉.

Aaaaaaaber wehe, es taucht etwas auf, was ihm wichtig ist, zum Beispiel Menschen an unserem Grundstück. Dann ist unser Energiesparmodell (danke, Frauke) hellwach, blitzschnell und wachsam. Einbrecher müssen wir nicht fürchten. Nein, er ist nicht aggressiv (im Sinne von fremde Menschen beißen), aber ohne Begleitung durch einen von uns sollte man lieber nicht unser Grundstück betreten. Er ist eher eigenbrötlerisch, sehr territorial, möchte nicht groß bespaßt werden, wägt ab und ist sehr souverän und gelassen.
Naaaa, auf welchen Hundetyp trifft das wohl eher zu? 😉

Nein, unsere Züchter haben nichts falsch gemacht, ganz im Gegenteil. Quembo ist ein wunderbarer Hund und seine Geschwister sind sehr Labrador typisch – das war damals im übrigen schon bei der Welpen-„Istzustandsbeurteilung“ mit sieben Wochen zu erkennen.

Ich mag einfach keine Pauschalaussagen wie: alle Golden sind selbsterziehend, weiße Schäferhunde jagen nicht, der Schäferhund ansich ist Befehlsempfänger, alle Dackel sind erziehungsressistent, der Collie ist soooo klug, dass er erst prüft, ob das Signal/Kommando (nennt es, wie Ihr wollt) auch wirklich einen Sinn macht etc.

Wie oft treffen wir auf verzweifelte Menschen, die dachten, dass, wenn „Nutella“ drauf steht, auch „Nutella“ drin ist. Nein, nicht immer.
Und womöglich hilft es, seinen Hund vom Charakter her einzuschätzen, sein Verhalten zu beobachten und dann Frieden damit zu schließen, dass er zwar das „Kostüm“ eines Kangals trägt, aber im Verhalten durch und durch ein Boxer ist 😉.

In diesem Sinne,

habt einen schönen Tag,

Eure Perdita